Interview mit der Gastgeberin vom Erzähl Mahl

Wie bist Du eigentlich auf die Idee gekommen, ein Erzähl Mahl anzubieten?

Susan: Im Sommer 2017 wollte ich mich beruflich nochmals neu orientieren und nahm mir deshalb eine Auszeit von der Arbeit. Ich plante eine Zeit lang in Findhorn zu leben. Dies ist ein internationales Seminarhaus im Norden von Schottland. Seit vielen Jahren zog es mich immer wieder an solche Orte, wo "anders gelebt und kommuniziert" wird als üblich. Dort wird ein Arbeitstag z.B. mit einem Sharing Circle begonnen. Der achtsame Austausch, der dort miteinander praktiziert und gelebt wird, hatte mich immer sehr berührt. Wie Kommunikation gelingen kann, war schon immer ein Herzensanliegen von mir und so habe ich viele entspechende Weiterbildungen besucht und verbrachte gerne Zeit in solchen "Oasen" wie Findhorn eine ist.

 

Als Coach weiss ich um die Kraft von Fragen. Deshalb packte ich für diese Reise auch eine Frage mit in mein Gepäck: "Für was möchte ich mich beruflich nochmals engagieren? Wofür brenne ich wirklich?" Ich hoffte, während meiner Reise darauf Antworten zu finden. Mit dem Rucksack zog ich los und wanderte den Küsten von Wales entlang - von Hostel zu Hostel.

 

Allerdings war die Reiseerfahrung dieses Mal ein komplett andere, als die anderen Male zuvor. Ich hatte ein Schlüsselerlebnis, welches die Initialzündung war für das Planen eines ersten Erzähl Mahl's...

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Zu meinem Bedauern musste ich nämlich feststellen, dass sich das Reisen durch Wi-Fi, Handy und Tablets in den letzten Jahren sehr verändert hatte. Die Abende in den Gemeinschafts-Küchen der Hostels, waren eine öde und anonyme Sache und nicht mehr länger eine "gemeinschafliche" Erfahrung. Viele sassen mit ihren Handys und Laptops dort, statt miteinander zu reden. Es war meist still im Raum. Sie assen aus ihren Tellern und hatten den digitalen Freund als vis-à-vis auf der anderen Seite des Tellers platziert. Einige waren mit den Freunden in der Heimat am skypen und bemerkten die hier Anwesenden kaum.​

Alles änderte sich, als ich eines Tages in die wirklich abgelegenen Gegenden kam - mit Hostels, die noch kein Wi-Fi hatten! Was für ein Glück, welch frappierender Unterschied und was für ein anderes Erlebnis. Dort begegnete man sich noch! Man sprach miteinander, sass zusammen am Tisch und teilte das zubereitete Essen miteinander. Es gab viele, die so wie ich, mit einer Frage oder einem Anliegen unterwegs waren. Wir sprachen am Tisch über das, was uns in diesen Tagen alles so beschäftigte, was uns hat losziehen lassen von zu Hause und teilten unsere bereits gefundenen Einsichten. Wir begegneten uns ungeschminkt, offen und sprachen über die wesentlichen Themen, die tiefer gingen als das üblich Travel Bla Bla.

Noch heute erinnere ich voller Erstaunen und Dankbarkeit an die Begegnungen mit Tiefgang, an das präsent sein in diesen Tagen, an das intensive Wahrnehmen der wunderschönen Natur in dieser Zeit, an das einander wirklich Begegnen und Wahrnehmen, an die Verbundenheit, die innert kürzester Zeit entstand, dadurch dass wir präsent und offen da waren.​

In mir wuchs der Wunsch, solche Räume zu kreieren, wo gemeinsam gegessen, einander begegnet und wirklich zugehört wird und wo vor allem über Wesentliches gesprochen wird. Ein halbes Jahr später war es dann so weit - das Erzähl Mahl hatte Premiere in Luzern und war sehr schnell ausverkauft! Die vielen positiven Reaktionen zeigten mir, dass es offenbar einem grosses Bedürfnis des momentanen Zeitgeistes entspricht, einander wieder live zu begegnen. Die Leute kamen von weit, um dabei sein zu können und ich wurde von allen Seiten ermutigt, dies doch bitte auch in andere Städte der Schweiz zu bringen - was ich natürlich gerne mache!